In unserem Haus in der Stadt wohnten wir bis ich ca. 14 oder 15 war, dann zogen wir an den stadtrand in ein einfamilienhaus mit garten, welches mein vater gekauft hat. Dort hatte ich ein noch schöneres zimmer, mit balkon und blick über die stadt, dolli gabs schon eine zeitlang nicht mehr, aber inzwischen eine dina, die fast genau so aussah wie dolli, außer dass sie 2 nummern größer war. Nach außen hin, ein noch perfekteres leben, es machte noch mehr den anschein, es fehle an nix, wir hatten alles…

In der nähe wohnte so ein langhaariger freak^^, gerd hieß er, er war gut 15 älter als ich, so um die 30. Mit ihm kam ich irgendwann an der bushaltestelle öfter mal ins gespräch und was er so erzählte, fand ich megainteressant, er sprach über dinge, über die ich mir bislang keinerlei gedanken gemacht hatte. Ich wusste nur, meine welt passt nicht zu mir, ich gehörte da nicht rein, aber ich wusste nicht, in welcher welt ich mich zu hause fühlen könnte…

gerd nahm mich einfach so, wie ich war. ich glaube, ich war ganz hübsch, hatte langes dunkles haar fast bis zum po, welches ich stets offen trug, denn es nutzte mir als „vorhang“ und ich konnte mich gut dahinter verstecken, wenn ich es mir ins gesicht fallen ließ… gerd machte mich nie an, er war ganz normal zu mir, wurde nie aufdringlich oder wollte körperlichen kontakt in irgendeiner form. Das mochte ich sehr, ich fühlte mich zum ersten mal in meinem leben ernst und für voll genommen. Er bahandelte mich wie seinesgleichen, nicht wie eine dumme 16-jährige, die von nix ahnung hat, obwohl ich das ja war. Er arbeitete irgendwo als lagerarbeiter und mit der zeit kannte ich seine schichten und hab ihn öfter mal am bus abgeholt. Auf dem weg zu seiner wohnung lag eine kleine grünanlage, da standen 2 bänke. Dort haben wir uns meistens hingesetzt und er hat mir seinen tag erzählt oder was er am wochenende gemacht hat oder er philosophierte über gott und die welt und ich hing an seinen lippen und hätte ihm stundenlang zuhören können^^. Aber gewöhnlich verabschiedete er sich nach höchstens 1,5 stunden, weil er hunger hatte^^.

Zu der zeit begann ich so langsam meinen klamottenstil zu ändern, ich trug nur noch levis und converse all stars chucks ^^ vorzugsweise in beige, natürlich die knöchelhohen und je „abgeranzter“, desto lieber ^^, gerne lange karierte hemden ausm second-hand-laden oder einfach pullis oder t-shirts…

 ich war auf dem gymnasium, aber meine leistungen, die anfangs ziemlich gut waren, ließen immer mehr nach… das alles gefiel meinem vater überhaupt nicht und er verprügelte mich zu der zeit fast täglich… ich musste aber bleiben, ich hatte ja keine kohle, keine bleibe, dafür aber angst vorm leben… noch mehr als vor ihm…

Ich fand das alles ganz furchtbar, ich wollte am liebsten sterben, aber vorm tod hatte ich ja noch mehr angst… 

Ich fing an, mir haare auszureißen oder meinen kopf an die badfliesen zu hauen… ich war manchmal so was wie in trance und fühlte keinerlei schmerz, kam meistens oft erst zu mir, wenn blut floss…

Es kam, was kommen musste, ich flog von der schule und die strafe meines alten war erbarmungslos…

Vor gerd konnte ich daraufhin nix mehr verheimlichen, ich versuchte zwar, ihm aus dem weg zu gehen, aber er lauterte mir auf, weil er merkte, dass was nicht stimmt, weil ich ihn sonst täglich traf… als er mich sah, wollte er wissen, wer das getan hat, um ihn abzustechen… ich sagte es ihm natürlich nicht, aber ich glaube er hat es geahnt, denn er bot mir an, wenn ich schwierigkeiten hätte, könne ich jederzeit zu ihm kommen, auch für  länger. Ich war noch nie bei ihm zuhause, wusste aber, wo er wohnte und obwohl ich keinen gebrauch von seinem angebot gemacht habe, fühlte ich mich gut, ich wusste, ich bin nicht alleine und verloren, wenn alle stricke reißen…

Eines tages hab ich bei gerd geklingelt, weil ich wollte wissen, wie er wohnt und außerdem war es inzwischen herbst und zu  verregnet, um sich auf die bank zu setzen. Er bewohnte eine 2- zimmer wohnung mit einer kleinen küche und einer dusche. Er bewohnte aber nur das große zimmer, da lag auch seine matratze in einer ecke. Es roch nach rauch und überraschenderweise war es ziemlich ordentlich. Irgenwie spielte sich alles auf dem boden ab. Es gab zwar einen tisch, aber das war so einer mit ganz kurzen, nach außen geschwungenen beinen. Drumherum lagen dicke sitzkissen auf dem boden. Gerd sah durch den türspion, dass ich es bin und öffnete. er rauchte grade einen joint, was mich kein bisschen überraschte ^^. Ich hatte bis dato noch nie einen „in echt“ kiffenden menschen gesehen und fand das spannend^^. Vermutlich liefen die doors oder blues, weil er selten was anderes hörte…

Wir verlagerten also unsere gespräche ab da in seine wohnung und irgendwann hab ich dann auch mal an einer tüte gezogen, war aber total enttäuscht, weil ich überhaupt nix gemerkt habe… aber das änderte sich dann nach einigen malen und bald gehörte es einfach dazu…

Durch gerd lernte ich mit der zeit einige leute kennen, die nicht nur gekifft haben…

Und so ergab eins das andere und ich probierte mit der zeit alles mögliche an drogen aus, was man mir anbot… außer heroin, das hab ich nie genommen…. Meine lieblingsdroge war lsd, ich konnte herrlich abdriften und ins universum abheben^^.

Mein alter kam mit dresche nicht mehr weiter, alles prallte an mir ab, er hätte mich auch totschlagen können, ich verfiel in meine starre und ließ es über mich ergehen…

Irgendwann hat er mich dann rausgeschmissen, ich hab dann bei irgendwelchen freaks in irgendwelchen höhlen gehaust, in ner kifferspelunke bedient, mein lsd geworfen und fern aller realität in den tag hinein gelebt…

In der kifferkneipe verkehrten auch viele RAF-sympathisanten und politisch interessierte und angagierte. So kam ich dann in ganz andere kreise, ließ das teile-schmeißen sein und wurde in der politisch linken szene aktiv.

Ich wurde ernst genommen, war teil des ganzen und irgendwie wichtig, wie eben jeder von uns… das fühlte sich nicht nur gut an, sondern das ganze machte auch noch sinn…  dieses leben praktizierte ich einige jahre, wohnte in wg´s und jobbte in kneipen…

Ich lernte in dieser szene auch viele musiker kennen, auch meine erste und einzige große liebe, aber das ist thema für nächstes mal…

30.7.11 23:27


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