Er war jung, eigentlich zu jung, nicht mal 18 jahre alt. Er hatte dunkles langes haar, welches er meistens als geflochtenen zopf trug. Seine gesichtszüge waren weich, seine augen grünbraun, mal hellbraun, mal grünlich, je nach lichteinfall, sein mund schön geschwungen mit recht vollen lippen. Er war groß und schlank, fast schlacksig. insgesamt wirkte er zart und fast zerbrechlich, aber er war alles andere als das. sowohl körperlich als auch charakterlich ein starker, gefestigter mensch, sehr drahtig und gut durchtrainiert und sehr straight und ehrgeizig. Er war gymnasiast und kurz vor seinem abitur. außerdem spielte er bass in einer rockband, die weit über die stadtgrenzen hinaus bekannt war. Sie hatten viele gigs und die mädchen lagen ihm zu füßen. er konnte jede haben, die er wollte und es waren schon einige, die er hatte^^.

Anfangs habe ich ihn einfach nur gerne angeschaut, weil er so hübsch war und ihn beobachtet, wie er mit seiner ruhigen, lässigen art gespräche führte oder mit den girls flirtete. Er hatte ein wunderbares grinsen, eine mischung aus leichter arroganz, aber auch offener freundlichkeit und innerlichem amüssieren. Sein blick war offen, er guckte seinen gesprächspartner/innen immer in die augen, hörte aber meistens zu, er selbst redete eher wenig. Ich mochte seine art, mit menschen umzugehen. Ich mochte auch sehr, wie er bass spielte:erstens sehr gut, sehr versiert, sowohl technisch, als auch rhythmisch und zweitens sehr lässig und leichthändig. er war sehr ehrgeizig und sein anspruch an sich selbst war enorm hoch und so übte er täglich mind. 1-2 stunden.

Später wechselte er dann auf einen bass ohne saiten und zusätzlich lernte er noch kontrabass. in rockbands spielte er immer weniger, dafür machte er sich immer mehr in der jazzszene einen namen. Er war wirklich gut, er konnte alles direkt vom blatt spielen, man kannte ihn überregional und so bekam er manchmal angagements von berühmten musikern, wenn deren bassist ausfiel (wie  zb. auch mal whitney housten –ok, ist nicht unbedingt sein genre^^, rod stewart (oder war es chris de burgh?)– auch nicht unbedingt seine musik ^^, aber hauptsächlich im bereich blues oder jazz)

Ich war befreundet mit einem mädchen, sie war irgendwann die freundin des gitarristen der rockband, so lernte ich ihn dann irgendwann kennen. Ich meine, wir kannten uns ja, aber eigentlich nur vom sehen oder von demos und weil man in der szene eben irgendwie jeden kannte…

 Ich ertappte mich dabei, dass ich ihn ziemlich toll fand und dass es in meiner magengegend kribbelte, wenn er kam oder da war, wenn ich kam, aber ich verwarf das natürlich aufgrund meines alters schnell wieder und dachte sowieso, ich bilde mir das ein… wir hatten aber immer öfter mit einander zu tun, er suchte mich immer häufiger in meiner stammkneipe auf, die er sonst nicht oft besuchte, da er in einer anderen stammgast war, wo das puplikum etwas jünger war ^^. Er suchte meine nähe, ich hab das zwar zuerst als zufällig betrachtet, mich zwar sehr sehr sehr gefreut, wenn er kam, aber es nicht unbedingt mit meiner person in verbindung gebracht… eines tages hat er mich gefragt, ob ich lust hätte, ihn auf eine party zu begleiten. Ich wunderte mich zwar, freute mich auch tierisch, aber hab immer noch nicht gecheckt, was da im gange war ^^.

Es häufte sich immer mehr, bald schleppte er mich überall hin mit… man sah uns wirklich nur noch im doppelpack, aber ich dachte, er mag mich einfach und dass er es genoss, sich mit mir zu zeigen, wie das bei jungen typen ja oft so ist, dass sie sich gerne mit älteren frauen schmücken^^ (ich war 26 und fuhr einen klapperigen alten vw-käfer-cabrio, der knallgrün „gestrichen“ war – je genau, gestrichen mit einem pinsel und acryllack  lol ). Außerdem kannte man mich wegen meiner politischen aktivitäten und sowas ist natürlich alles in allem betrachtet schon toll aus der sicht eines knapp 18-jährigen, der noch zur schule ging^^. Aber ich mochte seine freunde und unternahm sehr gerne was mit ihm, es war alles so unbeschwert und federleicht, wie urlaub am meer...

Nach weiteren vielen vielen wochen waren wir zusammen auf einem pink floyd konzert in der festhalle in frankfurt, das übrigens der hammer war. Plötzlich standen wir arm-in-arm und aneinandergelehnt da und küssten uns das erste mal. Ich ließ es, wahrscheinlich der mystischen atmosphäre des konzis wegen, geschehen, ließ mich fallen und genoss es…. Ich war einfach total glücklich und schwebte… alles passte zusammen…

Es folgten die schönsten jahre meines lebens. ich liebte, wurde geliebt und diese erfahrung war wunderbar. Wir vertrauten uns blind, konnten nicht ohne einander, waren so oft es ging, zusammen, ich machte wieder schule, fachoberschule, um wenigstens fachabi nachzumachen. Er studierte inzwischen jura. Wir lernten zusammen, jeder für sich, aber immer zusammen, wir fuhren total aufeinander ab, auf jeder ebene und in jeglicher form… mit ihm zu schlafen war jedesmal gigantisch, ich fühlte ihn mit jeder faser und mit allen sinnen… ich verlor mich in ihm, es fühlte sich an, wie mit ihm zu zerschmelzen… wir liebten uns oft und überall, denn wir waren besessen von einander, symbiothisch auf eine unbeschreibliche art und weise. Dieses gefühl war so stark, dass es weh tat, es schmerzte und brannte wie feuer… und als es den höhepunkt erreicht hatte stürzte ich… ich wollte es halten, nicht mehr missen, hatte angst, es würde einmal enden, er würde mich irgendwann verlassen. Ich fing an, mich zu fragen, was er eigentlich von mir will, an mir hat, zumal er jede haben könnte, jüngere, hübschere, intelligentere…. verlustangst kam immer mehr in mir auf, nahm mich immer mehr ein, seine liebesbeteuerungen und liebesschwüre machten es nicht besser, ich dachte, ohne ihn sei ich nicht lebensfähig, was ich für ihn empfand, kann ich in worten nicht ausdrücken, denn es gibt keine passenden dafür, so mächtig und groß war mein gefühl…

Ich hielt es nicht mehr aus - ich verließ ihn und zog in eine andere stadt …. damit brachte ich uns beide um, es fühlte sich tatsächlich an wie sterben…

Danach hatte ich einige liebeleien aber niemals mehr eine liebe, nicht mal annähernd… er selbst lenkte sich ebenfalls ab mit vielen affären, heiratete sogar irgenwann und wurde mehr oder weniger glücklich…

Es vergingen ein paar jahre, wir haben uns nicht mehr gesehen, und als ich dachte, die zeit hätte unsere wunden geheilt und zog wieder in meine heimat zurück.

Eines tages war ich auf einem open-air-konzert in der nähe. grade spielte eine ziemlich geile ska-band aus heidelberg, the busters, als ich spürte, wie sich meine nackenhaare stellten und mir ein schauder über den rücken lief…  im selben moment hörte ich erst leise fragend meinen namen hinter mir, dann lauter und voller freude laut rufen… ich drehte mich um und stand direkt vor ihm…. er lächelte mich an, nahm mich an der hand und erst gingen wir, dann liefen wir und dann rannten wir in richtung der felder… ohne worte, gefüllt mit gefühlen, die wir bis zu diesem moment nicht mehr gefühlt haben… es war, als wär keine minute vergangen, groß, mächtig, voller wucht… wir erreichten ein maisfeld und geschützt durch die pflanzen liebten wir uns und versanken…

Wir hatten ab da eine jahrelange affäre. mit dieser position, der, der geliebten, konnte ich mich viel besser arrangieren. ich hatte diese verlustängste nicht mehr, ich fühlte ganz genau wie vorher, aber ich verlor mich nicht mehr, denn ich konnte aufgrund dieser position ja gar nicht…

Erst da war mir klar, dass er mich bedingungslos liebte, immer geliebt hat und ich ihn getötet habe, aufgrund meiner eigenen beziehungsunfähigkeit…

Irgendwann habe ich aus gründen, die nicht hier her gehören, die affäre beendet… aber verlassen hab ich ihn nie wieder, wir sind uns noch immer sehr verbunden…

Ich liebe ihn sehr… immer noch… unverändert…

4.8.11 16:10


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